Berufsbild: Compliance-Officer/Compliance-Managerin

Compliance-Verantwortliche entwickeln Verhaltenskodizes und Richtlinien für
Unternehmen und sorgen dafür, dass Mitarbeitende sie einhalten

„Verstoßen Mitarbeiter gegen gesetzliche Vorschriften, kann das für Unternehmen schwerwiegende Folgen haben: wirtschaftliche Verluste, Imageschäden bis hin zu juristischen Konsequenzen“, sagt Miriam Kraus von der SAP AG. Zum Beispiel, wenn Mitarbeiter ohne das Wissen des Unternehmens Geld zahlen, um an lukrative Aufträge zu kommen. „Korruption und Bestechung sind für alle Compliance-Abteilungen, speziell international agierender Unternehmen, zentrale Themen“, sagt Kraus.

 

Kraus verantwortet bei SAP weltweit das Risikomanagement, die Konzernsicherheit und die Implementierung eines effektiven internen Kontrollsystems, ist im Aufsichtsrat der Sky Deutschland AG und gehört zum Fachbeirat des berufsbegleitenden Masterstudiengangs Compliance an der Deutschen Universität für Weiterbildung. Compliance-Officer und Compliance-Managerinnen entwickeln Verhaltenskodizes, Richtlinien und Trainings-maßnahmen, damit Mitarbeitende die Regeln und Normen einhalten, die ein Unternehmen oder eine Organisation selbst festgelegt hat. Die Regeln sind aus gesetzlichen Anforderungen abgeleitet und stehen im Einklang mit dem Wertesystem des Unternehmens. Compliance-Verantwortliche implementieren diese im Unternehmen, optimieren sie und überwachen deren Einhaltung. Im Fokus stehen dabei vor allem die Prävention und die Aufdeckung von Verstößen.

Das Berufsfeld des Compliance-Officer und der Compliance-Managerin hat durch die jüngsten Datenschutzskandale und Korruptionsaffären bei großen Unternehmen und der damit einhergehenden Zunahme von Haftungsrisiken enorm an Bedeutung gewonnen. Der rechtliche Rahmen, in dem sich Unternehmen bewegen, wird durch neue nationale und internationale Vorschriften enger und nimmt an Komplexität zu. Besonders stark regulierte Branchen wie Pharma- und Chemieunternehmen stehen vor der Herausforderung, allen gesetzlichen Regelungen gerecht zu werden. Immer mehr Unternehmen in Deutschland verfügen deshalb über Compliance-Programme und entsprechende Abteilungen. Der Bedarf an Compliance-Spezialisten hat dadurch in den letzten Jahren stark zugenommen, zumal es bislang nur wenige spezifische Qualifikationsmöglichkeiten gibt.

Aufgaben und Tätigkeiten
  • Überblick über relevante nationale und internationale Gesetze und Vorschriften behalten
  • Unternehmensethik in Bezug auf Compliance festlegen und weiterentwickeln
  • Regel- und Wertesystem für das Unternehmen, Verhaltensregeln für die Mitarbeitenden und ein Compliance-Handbuch erstellen
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informieren und schulen und zur Einhaltung der Regeln motivieren
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei kritischen Fragen beraten
  • effektive Systeme zur Einhaltung und Überwachung der Regeln einrichten
  • mögliche Risiken und Regelverstöße vorhersehen und Präventionsmaßnahmen ergreifen
  • Regelverstöße ermitteln und reagieren
Qualifikationsprofil
  • abgeschlossenes Hochschulstudium in Jura oder Wirtschaftswissenschaften bzw. entsprechende Kenntnisse
  • ggf. Praxiserfahrungen im Management sowie in den Bereichen interne Revision, Recht und Informationstechnologie
  • sicheres Englisch
Kompetenzen
  • analytisches und strategisches Denkvermögen
  • Überzeugungskraft und Durchsetzungsfähigkeit
  • Transferfähigkeit und Vermittlungskompetenz
  • Führungsstärke
  • vorausschauendes, zukunftsorientiertes und selbstständiges Handeln
  • Verantwortungsbewusstsein
Arbeitsfelder
  • Compliance-Officer und Compliance-Managerinnen arbeiten meist bei größeren oder mittelständischen Unternehmen.
  • Aber auch im öffentlichen Dienst und bei Non-Governmental-Organizations gibt es zunehmend Stellen für Compliance-Verantwortliche.
  • Compliance-Beraterinnen und -Berater arbeiten selbstständig oder bei Unternehmensberatungen und werden als externe Expertinnen und Experten projektweise hinzugezogen.
 

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